Erstes Forst-, Holz-, Papier- und Wald Innovations Forum
06. November 2019, Berner Fachhochschule | Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften

First Ever Venture Forum for Forest, Paper/Pulp, Timber
November 6th 2019, Bern University of Applied Sciences

Die Stadt der Zukunft

Eines vorweg: saubere, aufgeräumte und ordentliche Kiesflächen vor und neben unseren Häusern sind keine Gartenflächen, sondern tote Wüsten. Schön asphaltierte Parkplätze und zubetonierte öffentliche Plätze sind weder sinnreich noch fantasievoll.

Wir haben längst den natürlichen Bezug zur Natur verloren und die Formensprache der Natur durch unsere Ordnungssprache ersetzt. Die vermeintliche Sicherheit der Naturnähe, nämlich der Ausblick auf umgebende Wälder und Berge ist immer trügerisch und verlockend. Denn in der Stadtmitte atmen wir die mit Feinstaub belastete Luft der Stadt ein und nicht die gesunde Luft unserer sichtbaren Wälder. Es ist Zeit, uns mit der Natur wieder zu versöhnen, sie nicht als unser Feindbild zu sehen und zu verstehen, dass wir Pflanzen und Bäume für unser Leben brauchen. Die Trennung zwischen Leben, Arbeit und Natur ist nicht zukunftsfähig.

Eine zukunftsweisende Stadt definiert sich schon lange nicht mehr durch den Grad der Versiegelung, sondern durch Lebensqualität. Dazu gehört, dass wir uns auf Straßen und Plätzen der Stadt aufhalten, dort gerne sind und lange verweilen wollen.

Der heiße vergangene Sommer hat es uns vorgeführt. Niemand steht gerne bei Hitze in der prallen Sonne in der Stadtmitte. Der Naturschatten wird gesucht – und viel zu wenig gefunden. Ein Schirmschatten ist bestenfalls ein schwacher Ersatz.  Die Lösungen liegen auf der Hand und werden in vielen Regionen Europas und in zahlreichen Städten vorgelebt. Städte mit sehr hohen Sympathiewerten und größter Attraktivität sind grün. Teurer als pflanzliches Grün kommt einer Kommune nur noch dies: kein Grün.

Benjamin Junghans

Wir brauchen (wieder) Bäume in der Stadt! Rechnerisch braucht es pro 5 Einwohner mindestens ein erwachsener Baum,  um den Bewohnern und Besuchern eine gesunde, gefilterte Luft zu bieten. Natürlich geht das! Viele Straßen eignen sich für Alleen, zu den meisten Gebäuden könnten schlankwüchsige Bäume gepflanzt werden, so manche Fassade schreit geradezu, begrünt zu werden, damit sie ansehnlich, attraktiver wird.

Parkplätze müssen nicht versiegelt sein, die Böden gehören aufgerissen und als versickerungsfähige Grünflächen angelegt.

Das Straßenbegleitgrün, vor allem die Grünflächen der wenigen Parks sollten zu natürlichen Blühwiesen verändert und nur noch zweimal jährlich gemäht werden. Und vor allem dies: jedes Flachdach der Stadt sollte begrünt werden. Extensiv (Sedumen- und Steinrosenflure ohne Pflegeaufwand) dort, wo es statisch nicht anders geht, intensiv (also mit Blühwiesen, Sträuchern und kleinwüchsigen Bäumen) dort, wo es statt der schweren Kiesschüttung möglich ist. So könnten öffentliche Gebäude, Wohnblöcke, Gewerbe-Gebäude, Industriebauten, Einkaufsparks usw. schon bald mit einer duftenden Pflanzenhaube erstrahlen.

Pflanzenflächen kühlen die Umgebung stark, filtern die Feinstaube aus der Luft, wirken als Wasserverdunstungsflächen (Retention). Genau hier entsteht Artenvielfalt und Lebensraum für Pflanzen, Insekten und Vögel. Packen wir es an und machen unsere Städte zu blühenden Oasen. Zu einer Garten-und Waldstadt der Zukunft, in der Menschen gesund und gerne wohnen, leben und arbeiten.

Autor: Conrad Amber 2019

Copyright der Fotos:
Buchcover Conrad Amber 2019
Bewachsenes Haus in Wien Conrad Amber 2019